Hagen muss dringend neue Flächen für Gewerbe und Industrie entwickeln

Die SPD-Fraktion machte auf ihrerAuf der Sommertour 2016 wurde die SPD-Fraktion bei der HAGENagentur von Geschäftsführer Michael Ellinghaus und Wirtschaftsförderer Frank Röhling empfangen.

Hagen. Hoch informativ aber ernüchternd zugleich. So lautet das Fazit der SPD-Fraktion nach der 3. Station auf ihrer Sommertour 2016. Die Fraktionsmitglieder waren diesmal zu Gast bei der HAGENagentur, die mit Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus für Wachstum, Imageförderung und steigende Besucherzahlen an Lenne, Ruhr und Volme sorgen soll. Doch gerade die Wirtschaftsförderung, die nicht nur für die Neuansiedlung von Unternehmen, sondern auch für den Bestandserhalt heimischer Firmen und damit für den Erhalt von Arbeitsplätzen verantwortlich zeichnet, stößt immer mehr an ihre Grenzen. Das, so erläuterten Geschäftsführer Michael Ellinghaus und Wirtschaftsförderer Frank Röhling, liege nicht etwa an der mangelnden Investitionsbereitschaft heimischer Unternehmen oder an der Unzufriedenheit mit wichtigen Standortfaktoren. „Die Stadt, und damit eben auch die HAGENagentur ist aktuell nicht im Besitz von Grundstücken, die wir für Gewerbe- oder gar für Industrieansiedlungen entwickeln und vermarkten können. Auf diesem Gebiet sind droht die Gefahr, dass wir handlungsunfähig werden. Wir müssen mehr Flächen in die eigene Hand bekommen“, so Geschäftsführer Michael Ellinghaus.
Die Zahlen, so mussten Ellinghaus und Röhling den elf anwesenden Fraktionsmitgliedern leider unverblümt vermitteln, sprächen dabei eine deutliche Sprache. Rechnet die HAGENagentur alle ihr bekannten möglichen Gewerbeflächen zusammen, so kommt sie auf eine Nutzfläche von rund 14,7 Hektar. Was zunächst einmal von der Größe her komfortabel anmutet, löst sich bei genauer Betrachtung aber in Wohlgefallen auf. Denn nur rund 2,8 Hektar sind restriktionsfreie Flächen, die auch über die Agentur vermarktet werden können. Der Grund: die überwiegende Zahl der freien Flächen befindet sich in Privatbesitz, ist nur schwer zu erschließen, ist gar mit Altlasten verseucht oder soll für Wohnungsbau oder andere Sondernutzungen freigehalten werden. Bei den restriktionsfreien Standorten handelt es sich zudem um kleinere Gebiete, die nur schwer zu vermarkten seien.
„Wir haben ausreichend Anfragen von Unternehmen, die ihre Standorte, die an verschiedenen Stellen in der Stadt oder gar in Nachbarstädten liegen, an einem neuen Produktionsstandort zusammenlegen möchten. In solchen Fällen werden aber Flächen von 3,5 Hektar aufwärts benötigt. Wo sollen wir die hernehmen?“, so Ellinghaus.
Noch deutlicher wurde den Fraktionsmitgliedern der in Zukunft immer schwerwiegender zu bewältigende Mangel an Gewerbegebieten anhand der Prognosezahlen vor Augen geführt, die der Regionalverband Ruhr (RVR) für Hagen erstellt hat. So weist der RVR anhand seiner Untersuchungen bis 2030 für die Volmestadt einen Flächenbedarf von 96 Hektar aus, bis 2035 sind es gar 120 Hektar.
„Selbst wenn wir davon ausgehen, dass wir alle freien Flächen bebauen könnten und weitere Flächen wie das Böhfeld, Gut Herbeck oder die Dolomitstraße in den kommenden Jahren erschließen, fehlen uns nach dieser Prognose immer noch 43 Hektar“, rechnete Frank Röhling vor.
Bittere Realität, die mit einem weiteren Verlust von Arbeitsplätzen für Hagen einhergehen könnte. „Soweit darf es gar nicht erst kommen. Wir werden das Thema neu anpacken und in den kommenden Monaten ganz oben auf die Tagesordnung setzen müssen“, forderte Ratsmitglied Horst Wisotzki zum Handeln auf. Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Werner König ließ keinen Zweifel daran, dass die Stadt trotz ihrer Finanznot auf diesem Gebiet handlungsfähig bleiben müsse. So sollte geprüft werden, ob mit einer Verzahnung von bereits bestehenden Gesellschaften wie HEG, GIV und HAGENagentur die Entwicklung von Gewerbeflächen vorangetrieben werden kann.
Erfreulichere Nachrichten erhielt die SPD-Fraktion mit Blick auf die Gründung einer Breitbandgenossenschaft für das Lennetal. Die Gründungsveranstaltung, so Michael Ellinghaus, sei jetzt auf den 31. August terminiert. 30 Mitglieder seien aktuell bereits akquiriert worden, 100 Unternehmen sollen im weiteren Verfahren als Genossen gewonnen werden. Bekanntlich soll mit Hilfe der Genossenschaft die bislang unzureichende Breitbandversorgung im Lennetal verbessert werden.
„Wasser, Wald und Wandern“ mit diesen drei „W“ sei die Tourismusabteilung der HAGENagentur auf einem guten Weg, die Besucher- und damit auch die Übernachtungszahlen in Hagen zu steigern. „Wir hatten im vergangenen Jahr immerhin 260 000 Übernachtungen. Nun muss man dabei aber ehrlich sagen, dass es sich bei 90 Prozent um geschäftliche Hotelbuchungen gehandelt hat. Wir sind aber dabei, gerade die Wirtschaft in unsere Tourismusaktivitäten einzubinden“, erläuterte Geschäftsführer Michael Ellinghaus. Ebenso gebe es gemeinsame Marketingstrategien mit Herdecke und Wetter mit Blick auf die Seen und mit den Nachbarn im Märkischen Kreis. „Wir dürfen uns nicht davor scheuen, mit unseren Nachbarn, die ebenfalls touristische Ziele anzubieten haben, zu kooperieren.“ Beispielhaft seien dabei die Radwege, die hier Verbindungen schaffen und dafür sorgen, dass Radtouristen von Stadt zu Stadt fahren. Positiv sprach sich Michael Ellinghaus dafür aus, die Planungen eines Baumwipfelpfades in Haspe voranzutreiben und die Areale rund um Harkort- und Hengsteysee einer touristisch wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen. Verbesserungswürdig sei die Zusammenarbeit mit den Hagener Museen.
Zum Abschluss der Fraktionssitzung bei der HAGENagentur bedankte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Rudel bei Michael Ellinghaus und Thomas Röhling und versprach, die vielen Anregungen und Informationen bei der anstehenden politischen Arbeit in den Ausschüssen und im Rat einfließen zu lassen.