TelefonSeelsorge: Wo Menschen für Menschen ganz Ohr sind

0800 - 111 0 111 Bild: Telefonseelsorge Hagen-Mark

 

„Es gibt bei uns kein Thema, das es nicht gibt“, erfuhren die Mitglieder der SPD-Ratsfraktion gleich zu Beginn ihres Besuches bei der Telefonseelsorge Hagen-Mark von Leiter Dr. Stefan Schumacher. Dazu gehören Selbstmordandrohungen ebenso wie häusliche Gewalt oder sexueller Missbrauch.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „SPD-Ratsfraktion vor Ort“ waren die Kommunalpolitiker diesmal zu Gast in den Räumen der ökumenischen Seelsorge in der Dödterstraße, bei der sich 60 Frauen und 26 Männer im Alter von 38 bis 80 engagieren.

 

Im Gespräch mit den Leitern der Telefonseelsorge Hagen-Mark, Birgit Knatz (r.) und Dr. Stefan Schumacher sind die SPD-Ratsvertreter Ramona Timm-Bergs, Anja Engelhardt, Jörg Meier, Christian Mechnich, Claus Rudel und Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach (v.l.).

 

 

Seit 44 Jahren schenken die ehrenamtlichen Helfer Menschen in seelischer Not in Hagen ihr Ohr und geben psychologische Beratung. „Damit sind wir auch so etwas wie ein Seismograf für gesellschaftliche Themen. So merken wir zurzeit, dass die Vereinsamung immer mehr zunimmt und in vielen Gesprächen thematisiert wird. Nicht umsonst gibt es in Großbritannien seit einiger Zeit ein Ministerium, das sich mit dem Phänomen beschäftigt“, berichtet Leiterin Birgit Knatz aus dem Alltag der Seelsorge. Und der hat 24 Stunden und findet an 365 Tagen im Jahr statt.

SPD-Ratsfrau Ramona Timm-Bergs lobte in ihrer Funktion als Vorsitzende des Sozialausschusses die Arbeit der Ehrenamtlichen und deren Betreuung durch das Leitungsteam. „Wir sind froh, dass wir in unserer Stadt diese Einrichtung haben. Gerade weil hier die gesellschaftlichen Probleme gebündelt auftreten, ist solch ein Informationsaustausch auch für die Zukunft immens wichtig.“

 

Für Menschen in Not immer erreichbar zu sein, das bedeutet für die beiden Einrichtungsleiter genaue Planung und viel Organisation. Zirka alle zwei Stunden wechseln die Seelsorger am Telefon, Tag- und Nachtschichten gilt es so zu besetzen. Dabei gehen die Gespräche mit den hilfesuchenden Menschen an den Mitarbeitern nicht spurlos vorbei. Auch sie benötigen eine Betreuung im Rahmen von Nachbereitung  und Supervision. „Das scheint uns ganz gut zu gelingen, denn unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen ihre sicher nicht leichte Aufgabe im Durchschnitt etwa 10 Jahre lang wahr, bevor sie wieder ausscheiden“, so Dr. Schumacher.

Wer neu ins Team kommen möchte, erhalte natürlich zuvor eine umfassende Ausbildung. Ein  Jahr lang werden regelmäßig zwölf engagierte Menschen, die nicht nur aus Hagen sondern auch aus dem Märkischen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis kommen, intensiv auf ihre Aufgabe am Telefon oder am Chat vorbereitet. Zuhörkompetenz ist ebenso wichtig wie die unterstützende Ansprache und die Fähigkeit, ein Gespräch nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

So erfuhren die SPD-Fraktionsmitglieder, dass auch bei der Telefonseelsorge das Schreiben zum neuen Sprechen geworden ist. „Chatten und Mailen liegt bei uns ebenso im Trend wie in der Gesellschaft selbst. Wir nehmen das so an und stellen uns darauf ein. Denn Schreiben kann für die Menschen, die uns kontaktieren, auch eine Kraftquelle sein“, so  Birgit Knatz. Daher stand im vergangenen Jahr die Erweiterung der Chat- und Mailbeteiligung in neuen Räumen mit Mittelpunkt. Die Zahlen sprechen dabei für sich: 2017 erreichten die Telefonseelsorge 12 443 Anrufe, das sind pro Tag und Nacht 34 Anrufe. Mit 7820 Anrufern konnten Seelsorge- und Beratungsgespräche geführt werden, über 3000 Anrufer legten wieder auf, 381 schwiegen am Telefon.

 

Weiter aufgeschlüsselt tritt aber auch zutage, dass die Telefonseelsorge von 1051 Anrufern missbraucht wurde. „Dabei wurden unsere Mitarbeitern provoziert oder sie wurden emotional oder sexuell belästigt. Das ist sehr ärgerlich“,  bilanziert Dr. Stefan Schumacher. Zu den Anrufen kamen im vergangenen Jahr 2240 Mails und 1263 Chats.

 

Damit die Telefonseelsorge für Menschen in Not auch tatsächlich immer erreichbar ist, wurde ein Verbund mit den Einrichtungen in Dortmund und in Bochum angestrebt. Ist die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter in Hagen bereits in einem Gespräch, so werden Anrufer aus der Region Hagen-Mark automatisch an eine freie Stelle nach Dortmund oder Bochum umgeleitet.

Nach dem umfassenden Informationsgespräch bedankte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Claus Rudel bei den Geschäftsführern und bilanzierte: „Sie nehmen hier für unsere Gesellschaft eine sehr wichtige Aufgabe engagiert und professionell vor. Diese Arbeit verdient höchste Anerkennung und Unterstützung.“