Siegen ist seit Jahren auf dem Weg zu neuen Ufern

In Siegen hat sich in den letzten Jahren viel verändert. So auch an den Ufern der Sieg. Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann (2.v.l.) führte die SPD-Fraktionsmitglieder Jörg Meier, Claus Rudel, Martin Stange und Detlef Mucke (v.r.) durch das südwestfälische Oberzentrum.

 

SPD-Mitglieder bringen viele Anregungen

für den Stadtentwicklungsausschuss mit nach Hagen

 

Was in Hagen in diesen Wochen und Monaten in Bürgerforen und Expertenrunden an Ideen und auch Visionen für die Zukunft der Stadt gesammelt, bewertet und zu Papier gebracht wird, das ist in Siegen bereits in Stein umgesetzt. Dabei gleichen sich nicht nur die Verfahrensweisen, sondern auch die Probleme, mit denen das südwestfälische Oberzentrum zu kämpfen hatte und zu kämpfen hat. Ein guter Grund für SPD-Fraktionschef Claus Rudel sowie Jörg Meier, Martin Stange und Detlef Mucke (allesamt Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses), sich einmal von Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann durch seine Stadt führen zu lassen, die bereits seit zehn Jahren unter dem Titel „Siegen zu neuen Ufern“ ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) konsequent und erfolgreich umsetzt.

In das Obergeschoss dieses Karstadt Hauses werden Hörsäle integriert.

 

Für Henrik Schumann, der vor seiner Wahl zum jüngsten Baudezernenten den vielfältigen Prozess bereits fachplanerisch begleitet hatte, sind die zahlreichen Einzelmaßnahmen, mit denen man in Siegen dem Strukturwandel begegnet, wohl bekannt. Während in Hagen als neuer Standort für die Fachhochschule Südwestfalen das Fernuni-Areal präferiert wird, hat man sich in Siegen nicht ohne Grund für eine reine Innenstadtlösung entschieden. Dabei steht im Rahmen der Gesamtmaßnahme „Siegen zu neuen Ufern“ die Belebung der Oberstadt als Ziel an.

 

 

Die fußläufige Anbindung von Ober- und Unterstadt wurde attraktiv gestaltet.

„Dabei muss man aber auch ehrlich sagen, dass wir mit der Verlagerung der Universität Siegen in die Oberstadt sehr viel Glück gehabt haben. Der Campus Unteres Schoss konnte nur so entwickelt werden, weil ein angrenzendes Krankenhaus und das Gefängnis, das hier am Schloss untergebracht war, zu diesem Zeitpunkt ausgelagert wurden und das Schloss leer stand. Darüber hinaus haben sich Siegener Investoren dazu entschlossen, das direkt gegenüber dem Schloss liegende Karstadt Gebäude zu erwerben, um dort in der oberen Etage die noch fehlenden Hörsäle mit rund 1000 Plätzen zu integrieren. So fügte sich eins ins andere“, erläutere Henrik Schumann den Gästen aus Hagen die positive Entwicklung. Beim Gang durch die moderne Bibliothek der Uni konnten die Fraktionsmitglieder mit eigenen Augen sehen, was sich aus einem ehemaligen Gefängnis machen lässt. Eine Mensa befindet sich noch im Bau. „Natürlich hat uns diese Maßnahme auch Kritik eingebracht. Insbesondere bezogen auf die Verkehrs- und Parksituation in unserer Stadt. Am alten Unistandort konnten die Studenten direkt auf die großen Parkplätze vor dem Gebäude fahren. Hier müssen sie jetzt möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen und die letzten Meter auch mal zu Fuß gehen. Aber das ist ja das, was wir für die Zukunft unserer Stadt auch wollen“, blickte der Stadtbaurat kritisch auf eins der sensibelsten Handlungsfelder – den innerstädtischen Autoverkehr.

Wie auch in Hagen wird in Siegen an Messstationen die Schadstoffbelastung regelmäßig überschritten. Beim Spaziergang von der Ober- in die Unterstadt zeigt Henrik Schuman hoch oben von der Stadtmauer hinab auf eine eingeengte zweispurige Bundesstraße und hält gleichzeitig ein Foto aus vergangenen Zeiten hoch. „In der Häuserschlucht waren die Werte viel zu hoch. Wir mussten also handeln und haben die Fahrbahnen reduziert, die Gehwege verbreitert und Aufenthaltsflächen geschaffen. Das hat schon mal dazu geführt, dass der innerstädtische Verkehr reduziert wurde und auf die Umgehung ausgewichen ist. Gereicht hat es nicht. Kürzlich haben wir noch die Ampelschaltung dahin gehend verändert, dass die Autos jetzt noch langsamer vorankommen. So erhoffen wir uns eine weitere Reduzierung der Schadstoffe. Damit macht man sich nicht nur Freunde in der Stadt“, weiß der Baurat. Für die Hagener Finanzamtsschlucht, so die Gäste, werde noch nach einer Lösung gesucht.

Wie sich die Probleme der Städte doch ähneln.

Während in Hagen die Volme das Innenstadtbild prägt, ist es in Siegen die Sieg. Doch diese floss bis vor einigen Jahren fast unsichtbar unter einer Betonplatte durch die Stadt. Die damaligen Stadtväter hatten aufgrund der engen Tallage der Stadt Parkraum auf der „Siegplatte“ geschaffen, die im Rahmen des Stadtumbaus abgerissen wurde. Der Fluss ist wieder erlebbar, die Ufer wurden gestaltet. Eine große Treppe führt zum Fluss. „Aber auch die Neugestaltung führt zu Problemen“, verschweigt Henrik Schumann nicht die Folgekosten. „Die Treppe ist an schönen Sommerwochenenden zu einem Treffpunkt von Jugendlichen geworden. Wir mussten Ordnungs- und Reinigungskräfte einstellen, damit es hier nicht aus dem Ruder läuft“, so Schumann.

Dank der Gesaltungs- und Werbeanlagensatzung wurde auch das Gebäude der Bäckerei Schneider wieder ein Hingucker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle  Baumaßnahmen wurden durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und ein Baustellenmarketing begleitet. Bereits 2011 wurde die „Stadtbild Offensive Siegen – gemeinsam aktiv für eine schöne Stadt“ ins Leben gerufen.  Bauberatungen zur Fassadengestaltung, einen Gestaltungskompass als Orientierungshilfe für Neubau-, Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, eine Gestaltungs- und Werbeanlagensatzung, ein Leitfaden für Sondernutzungen im öffentlichen Raum sowie ein Kommunales Fassadenprogramm gehören dazu.

Neben den Vorzeigeprojekten, so erfuhren die Hagener, ist Siegen aber seit Jahren auf weiteren Handlungsfeldern unterwegs. Dazu gehört das innerstädtische Wohnen für Studenten, Familien und ältere Menschen ebenso wie die Förderung des kleinteiligen Einzelhandels.

Viele Anregungen, die die Hagener Sozialdemokraten ebenso mit nach Hagen bringen wie den Hinweis von Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann, dass Siegen letztlich mit städtebaulichen Wettbewerben die Grundlage für wichtige Entscheidungen bei der Stadtentwicklung gelegt hat. „Natürlich entstehen mit diesen Wettbewerben Kosten. Aber es zahlt sich auf jeden Fall in der Qualität aus, die man durch solch einen Wettbewerb bekommt. Es zahlt sich einfach aus, wenn für solch große Projekte mehrere Experten von außen auf eine Stadt schauen und sich Gedanken machen.“

Für Jörg Meier, Sprecher der SPD-Fraktion im Stadtentwicklungsausschuss, hat sich der Info-Ausflug nach Siegen allemal gelohnt. „Warum in die Ferne schweifen, wenn uns eine Stadt in der Umgebung mit ähnlichen Problemlagen, wie wir sie hier in Hagen noch zu bewältigen haben, bereits mit guten Beispielen vorangegangen ist. Siegen gilt bei der Umsetzung seiner Konzepte und auch bei der Einwerbung von Fördermitteln als Vorzeigebeispiel. Da sollten wir von lernen.“